Sprachliche, kulturelle und grammatikalische Hinweise
Abschlussbedingungen
Hier findest Du alle sprachlichen, kulturellen und grammatikalischen Hinweise aus dem Kurs A2 zusammengefasst.
Du kannst das Glossar unter Verwendung des Index durchsuchen.
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Kultureller Hinweis zu den Kulturtagen der Gehörlosen | ||
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Der Bildungskongress im deutschsprachigen Raum findet alle drei Jahre statt. Die drei Gehörlosenbünde aus der Schweiz, Österreich und Deutschland arbeiten eng zusammen und regen stets das Thema "Gebärdensprache macht stark" an. Die Schweiz vertritt die Gehörlosen aus den drei Regionen Deutschschweiz, Romandie und Tessin. Es ist eine Ausnahme, dass sie im deutschsprachigen Raum involviert sind.
Die Veranstaltung dauert drei Tage und nimmt sich brisanten Themen an:
Die Chance auf Gleichheit von Menschen mit und ohne Hörbehinderung, Mitspracherecht und Partizipation der Gebärdensprache in allen Bereichen wie Beruf, Schule, TV, Gesellschaft, öffentlicher Verkehr, etc.
Es geht um die Identität und Kultur der Gehörlosen durch barrierefreie Zugänge mit Gebärdensprachdolmetscherinnen, z.B. an Events und Konzerten usw. Auch hörende Menschen sind willkommen.
Letzte Bildungskongresse:
2010: Saarbrücken
2013: Wien
2016: Bern
2020 auf 2021, aufgrund der Corona-Pandemie verschoben: Frankfurt in Main IX-2 SCHON ÖFFENTLICH VERANSTALTUNG POSS-3 GEHÖRLOS, BEISPIEL KULTURWOCHE, DABEI? | ||
Kultureller Hinweis zu der Kostenübernahme für Gebärdensprachdolmetscher | ||
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In „öffentlichen“ Bereichen wie bei Behördengängen, Arztbesuchen, Elternabende der Volksschule, bei der Polizei oder vor Gericht werden die anfallenden Kosten für Gebärdensprachdolmetscher von den zuständigen Kostenträgern übernommen. So werden die Dolmetscherkosten im Rahmen einer Berufsausbildung von der Invalidenversicherung bezahlt, während bei einer Besprechung mit dem Sozialamt, das Amt gemäss Behindertengleichstellungsgesetz verpflichtet ist, die Kosten zu übernehmen.
In "privaten" Bereichen (Familienfest, private Kurse, Hochzeit, …) werden die Kosten nur übernommen, wenn der Einsatz eines Dolmetschers als zweck- und verhältnismässig eingestuft wird.
Trotzdem kann es sein, dass keine Gebärdensprachdolmetscher anwesend ist, weil zum Beispiel der Termin zu kurzfristig angesetzt wurde und keine gefunden werden kann. Dann ist man auf den guten Willen und die Rücksichtnahme durch Gesprächspartner, Kursleitungen etc. angewiesen, und muss dabei doch meistens viele weitere Barrieren in Kauf nehmen, denn in der Regel läuft die Kommunikation dann eben mangels Alternative über Hilfsmittel wie Aufschreiben, Lippenlesen und dergleichen.
ARBEITSPLATZ, GESPRÄCH VORTRAG, IX-1 DA DOLMETSCHER IX-Dolmetscher AUF-mich ÜBERSETZEN. | ||
Kultureller Hinweis zu Dolmetschdienstleistungen am Arbeitsplatz für gehörlose Menschen | ||
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Die Verordnung des EDI (Eidgenössisches Departement des Innern) über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung regelt die Kostenübernahme von Gebärdensprachdolmetschdienstleistungen am Arbeitsplatz. Gemäss Artikel 9 gilt es allerdings zu beachten, dass der Betrag auf monatlich 1793.00 Franken beschränkt ist und dass die betroffene Person ein Gesuch an die Invalidenversicherung (IV) stellen muss, welche dann im Einzelfall entscheidet.
ARBEITSASSISTENT | ||
Kultureller Hinweis zu Gebärdensprache in der schulischen Bildung | ||
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Die allermeisten gehörlosen Menschen, insbesondere die der mittleren und älteren Generationen, verbindet eine gemeinsame identitätsstiftende Erfahrung, ihre Schulbildung betreffend: An Gehörlosenschulen war es bis in die jüngere Vergangenheit hinein gang und gäbe, dass Gebärdensprache verpönt wurde und sogar verboten wurde, und zwar sowohl während des Unterrichts, als auch auf dem Pausenplatz.
Seit einem Kongress von Gehörlosenlehrern im Jahr 1880, bei dem beschlossen wurde, dass Gebärdensprache für gehörlose Kinder schädlich und die sogenannte orale Methode zu bevorzugen sei. So hielt sich die Meinung, Gebärdensprache müsse zugunsten der oralen, also lautsprachlichen Erziehung möglichst vollständig unterdrückt werden, über ein Jahrhundert lang.
Die Erkenntnis, dass die Gebärdensprache eine natürliche, eigenständige und vollwertige Sprache ist, und dass ihr Erwerb als Muttersprache (L1) gerade erst die entscheidende Grundlage bildet, über die Unterrichtsinhalte vollständig vermittelt und verstanden werden können, und auf der weiterer Spracherwerb der Lautsprache sehr viel besser vollzogen werden kann, hat sich erst im Verlauf der letzten 20 bis 30 Jahre nach und nach durchgesetzt.
Vor diesem Hintergrund der gemeinsamen, oft schmerzhaften Erfahrung einer eingeschränkten, als erzwungen empfundenen Kommunikation in Lautsprache lässt sich gut nachvollziehen, dass gehörlose Menschen sich gegenseitig und ihrer eigenen Sprache gegenüber eng verbunden fühlen, und dass ein bewusster Umgang mit der sprachlichen Geschichte der Gehörlosengemeinschaft ein äusserst sensibler und wichtiger Aspekt der Inklusion zwischen sprachlicher Minderheit und Mehrheitsgesellschaft ist. DAMALS POSS-2 LEHRER STRENG. IX-3pl MUSS SPRECHEN, DURCH GEBÄRDENSPRACHE IX-Gebärdensprache NICHT GUT, STIMMT? | ||
Kultureller Hinweis zu International Sign | ||
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Auch wenn es ein weit verbreitetes Märchen ist, dass die Gebärdensprache international sei, haben es gehörlose Menschen weltweit doch leichter, miteinander verbal in Kontakt zu treten, als hörende. Denn Gebärdensprachnutzer/innen finden immer eine Ebene, um sich auf Alltagsniveau in Gebärden mit Menschen anderer Herkunft zu unterhalten. Die dabei verwendeten sogenannten International Signs bilden damit ein tatsächlich praxistaugliches Kommunikationssystem, anders als beispielsweise das künstlich entstandene Lautsprachsystem Esperanto, das nie den Durchbruch geschafft hat.
Internationale Gebärden sind nur begrenzt in einem Lexikon zu finden; sie greifen vielmehr situativ auf visuell besonders klare und eindeutige Gebärden zurück, die oftmals direkt aus den Muttersprachen der am Gespräch Beteiligten abgeleitet sind. Es handelt sich nicht um ein standardisiertes Sprachsystem, das unabhängig vom konkreten aktuellen Kommunikationsanlass besteht. Um diese Abgrenzung von den standardisierten und mit einem Lexikon versehenen nationalen Sprachen (Laut- wie Gebärdensprachen) deutlich zu machen, wird daher nicht von Internationaler Gebärdensprache (oder International Sign Language) gesprochen.
[[Bitte "...sprache" in "Gebärdensprache" im letzten Absatz kursiv setzen!]] DURCH INTERNET, UND AUCH FERIEN IMMER MEHR MEHR GEHÖRLOS PERSON++ INTERNATIONAL GEBÄRDEN. | ||
Kultureller Hinweis zu Lautsprachbegleitenden Gebärden | ||
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Wie der Name schon verrät, handelt es sich bei Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) nicht um eine eigenständige Sprache, sondern um ein Hilfsmittel zur Sicherung der Kommunikation in Lautsprache. Jedes lautsprachlich gesprochene Wort wird von einer eigenen Gebärde begleitet, die Grammatik folgt dabei ausschliesslich der Lautsprache, wie sie gesprochen wird. Für Wörter, für die es keine DSGS-Gebärde im eigentlichen Sinne gibt, wie zum Beispiel das Verb „sein“ mit seinen Unterformen, werden Hilfsgebärden eingesetzt.
Es gibt auch Formen, bei denen nicht exakt jedes Wort, sondern nur Signalwörter von einer Gebärde begleitet werden. Dabei handelt es sich um Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG). Die gewählte Form hängt immer von der einzelnen Person und ihren Kommunikationsbedürfnissen ab. Nutzende dieser Kommunikationsformen sind in erster Linie schwerhörige oder spätertaubte Menschen, deren erste Sprache die Lautsprache ist. Ihnen sind Wortschatz und Grammatik der Lautsprache vertraut, und sie benötigen „lediglich“ eine Hilfestellung zum Verständnis des Gesprochenen. Für diese Gruppe ist die DSGS ebenso eine Fremdsprache wie für alle anderen lautsprachlich orientierten Menschen, sodass zur Sicherung ihrer Kommunikation eben eine Form der LBG oder LUG passender ist. LBG | ||
Kultureller Hinweis zu Weckern für Gehörlose | ||
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Wenn du dich mit Gebärdensprache und Gehörlosigkeit beschäftigst, wird es Dir im Alltag so gehen, dass du dich immer wieder fragst: „Wie ist das eigentlich, wenn man nichts hört?“ Was machen Gehörlose zum Beispiel am Bahngeleise, wenn per Lautsprecherdurchsage eine Fahrplanänderung angekündigt wird? Wie setzen gehörlose Menschen einen Notruf ab, ohne telefonieren zu können? Und wie schaffen es Gehörlose, nicht zu verschlafen, obwohl sie den Wecker nicht hören können? Keine Sorge, mit diesen Fragen bist du nicht allein, und wir können dir versichern, dass die Beschäftigung mit ihnen den Blick auf unseren Alltag ziemlich verändern wird.
Ein eher banales Geheimnis – nämlich das zum Thema Wecker – lüften wir gleich hier für dich: Es gibt Wecker (ebenso wie übrigens Türklingeln und Babyfone), die statt eines akustischen Signals einen Alarm aus grellen Lichtblitzen auslösen. Ob das jetzt ein angenehmeres Aufwachen bedeutet, lassen wir mal dahingestellt ... WECKER | ||
Kultureller Hinweis zum Lippenlesen | ||
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Das Lippenlesen, auch Ablesen genannt, ist für die meisten gehörlosen Menschen ein zentrales Kommunikationsmittel, auf das sie in ihrem Alltag angewiesen sind. In der Regel können die wenigsten hörenden Menschen in ihrer Umgebung – sei es bei der Arbeit oder in der Familie – gebärden. Und auch Gebärdensprachdolmetscherinnen sind bei weitem nicht immer zur Hand: selbst sensible Termine wie ein Arztbesuch oder ein Elternabend müssen häufig „auf eigene Faust“ bewältigt werden.
Und selbst wenn auf gute Bedingungen für das Lippenlesen geachtet wird, wie gute Lichtverhältnisse, deutliches, aber natürliches Mundbild, Klärung des Gesprächsthemas, stellt es selbst für geübte AbleserInnen eine Herausforderung dar, alle Inhalte zu verstehen. Nur 30% der Buchstaben und Buchstaben-Kombinationen sind im Mundbild eindeutig unterscheidbar, so dass der Grossteil des Verständnisses von Erfahrung, Kontext und Kombinationsfähigkeit abhängt. Beispiel: Das Mundbild von „Mutter“ ist identisch mit dem von „Butter“. Ohne Ton sehen also beide Wörter genau gleich aus. Was hier vielleicht noch ein Schmunzeln auslöst, stellt gerade bei schwierigeren Themen oft ein Problem dar. Stell Dir vor, bei einem wichtigen Gespräch mit dem Vorgesetzten oder bei einem Arzttermin wärst Du vor diesem Hintergrund auf das Lippenlesen und den Kooperationswillen Deines Gegenübers angewiesen ... POSS-1 ARBEIT KOLLEGE VIEL GEDULD, LANGSAM SPRECHEN, AUCH SCHREIBEN. | ||
Kultureller Hinweis zum Schulunterricht für gehörlose Kinder | ||
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Die Unterrichtssprache in Schulklassen mit gehörlosen Kindern ist heutzutage immer häufiger die DSGS, manchmal auch LBG. (Deutsch als Unterrichtsfach gibt es selbstverständlich immer). Das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahren gab es eine sehr große Fraktion in der Gehörlosenpädagogik, die sich gegen die DSGS als Unterrichtssprache aussprach und darauf pochte, dass jeglicher Unterricht in Lautsprache stattfand. Dass es durch die damit einhergehenden Verständnisschwierigkeiten zu einem erheblichen Verlust an Informationsfluss kam und somit Unterrichtsinhalte oft auf der Strecke blieben, wurde billigend in Kauf genommen. Wichtiger war, dass die Sprache der Mehrheitsgesellschaft verwendet und erlernt wurde. Die Gebärdensprache hatte einen schweren Stand, war als Faktor der Ausgrenzung aus der Gesellschaft verpönt.
Erst in den letzten Jahren verändert sich dieses Bild nach und nach, es gibt immer mehr Lehrkräfte, die die DSGS beherrschen (auch immer mehr gehörlose Lehrkräfte), und es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Deutsch als Zweitsprache viel besser zu lernen ist, wenn es auf die solide Basis der DSGS als Erstsprache aufbauen kann.
Schulklassen mit gehörlosen Kindern sind in der Regel deutlich kleiner als diejenigen an Regelschulen. Ganz typisch ist der Aufbau der Tische in einer U-Form, sodass alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkraft einander gut sehen können. KLASSE | ||